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Hörgeräte-Apps und Bluetooth: So gelingt die Kopplung mit Smartphone, Fernseher & Co.

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Ältere Frau bedient eine Hörgeräte-App auf ihrem Smartphone

Foto: Moderne Hörgeräte lassen sich per App bequem steuern

Moderne Hörgeräte sind längst kleine Computer im Ohr. Über Bluetooth verbinden sie sich mit dem Smartphone, dem Fernseher oder speziellen Zubehörgeräten – und über die passende App lassen sich Lautstärke, Hörprogramme und viele weitere Einstellungen bequem steuern. Wer weiß, wie die Kopplung funktioniert und was die neue Auracast-Technik bringt, holt deutlich mehr aus seinem Hörgerät heraus. Wie viel ein Hörgerät kostet und was die Krankenkasse davon übernimmt, erklären wir in unserem Ratgeber zu Hörgeräte-Zuschuss und Kosten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Fast alle modernen Hörgeräte (ab ca. 2018) unterstützen Bluetooth-Kopplung mit Smartphones.
  • Jeder Hersteller hat eine eigene App: Signia App, Oticon ON, ReSound Smart 3D, Phonak myPhonak, Widex Moment.
  • Die Kopplung läuft über die Bluetooth-Einstellungen des Smartphones plus die Hersteller-App – meist in 5 bis 10 Minuten erledigt.
  • Auracast (LE Audio) ist die nächste Generation: Ein Sender strahlt Ton an beliebig viele Hörgeräte gleichzeitig aus, etwa im Kino oder am Bahnhof.
  • Bei Problemen hilft meist: Hörgerät und Smartphone neu starten, Bluetooth aus- und wieder einschalten, App-Update prüfen.

Wie funktioniert die Kopplung mit dem Smartphone?

Die grundsätzlichen Schritte sind bei den meisten Herstellern ähnlich:

  1. App installieren: Die passende Hersteller-App aus dem App Store (iPhone) oder Google Play Store (Android) laden. Der Hörakustiker nennt Ihnen den genauen Namen.
  2. Bluetooth aktivieren: In den Smartphone-Einstellungen Bluetooth einschalten.
  3. Hörgeräte in den Kopplungsmodus versetzen: Batteriefach kurz öffnen und schließen oder die Geräte aus- und wieder einschalten – je nach Modell.
  4. Verbindung bestätigen: Auf dem Smartphone erscheint eine Anfrage zur Kopplung, die Sie bestätigen. Bei iPhones läuft dies teils direkt über die Bluetooth-Einstellungen als „Hörgeräte“, bei Android meist über die App selbst.
  5. App einrichten: Nach erfolgreicher Kopplung führt die App durch die Ersteinrichtung, etwa das Anlegen von Hörprogrammen.

Wichtig: iPhones nutzen für viele Hörgeräte den Standard „Made for iPhone“ (MFi) und koppeln direkt über die Systemeinstellungen unter Einstellungen → Bedienungshilfen → Hörgeräte. Android-Geräte laufen häufig über den neueren ASHA-Standard oder klassisches Bluetooth, die Kopplung erfolgt dann eher über die App.

Was leisten die Hersteller-Apps?

Die Apps sind mehr als eine Fernbedienung. Typische Funktionen:

  • Lautstärke und Hörprogramme (z. B. „Restaurant“, „Musik“, „Wind“) wechseln
  • Streaming von Telefonaten, Musik und Fernsehton direkt ins Hörgerät
  • Standort der Hörgeräte anzeigen, falls sie verlegt wurden
  • Fernanpassung: Der Hörakustiker passt die Einstellungen aus der Ferne an, ohne dass ein Termin vor Ort nötig ist
  • Akkustand und Batteriewarnungen
  • Bei manchen Modellen: Übersetzungsfunktionen oder Sturzerkennung

Fernseher, Telefon und mehr: Zubehör richtig verbinden

Nicht jedes Hörgerät koppelt direkt mit dem Fernseher. Meist wird ein kleiner Zusatzsender (TV-Streamer) an den Fernseher angeschlossen, der den Ton per Funk an die Hörgeräte überträgt. Das umgeht Verzögerungen und Störgeräusche, die bei normalem Bluetooth-Fernsehton entstehen können. Ähnliche Streamer gibt es für Festnetztelefone oder als Mikrofon-Clip für Gespräche in lauter Umgebung. Ein TV-Streamer wird von manchen Krankenkassen anteilig bezuschusst – wie viel an Zuzahlung im Einzelfall übrig bleibt, erklären wir in unserem Ratgeber zur Hörgeräte-Zuzahlung.

Auracast und LE Audio: Die nächste Generation

Ein wachsender Teil neuer Hörgeräte – etwa von Signia, Oticon, ReSound und Widex – unterstützt inzwischen Bluetooth LE Audio mit der Übertragungstechnik Auracast. Der entscheidende Unterschied zum klassischen Bluetooth: Auracast sendet Ton nicht nur an ein einzelnes gekoppeltes Gerät, sondern kann von beliebig vielen Hörgeräten gleichzeitig empfangen werden – ganz ohne vorherige Kopplung.

Merkmal Klassisches Bluetooth Auracast (LE Audio)
Verbindung 1-zu-1-Kopplung nötig 1 Sender, beliebig viele Empfänger
Typisches Beispiel Musik vom eigenen Handy Durchsage am Bahnhof, Ton im Kino, Vortrag in der Kirche
Akkuverbrauch höher deutlich geringer (neuer Codec LC3)
Voraussetzung – Auracast-fähiges Hörgerät + Auracast-Sender vor Ort

Die öffentliche Auracast-Infrastruktur – etwa in Bahnhöfen, Theatern oder Museen – wird ab 2026 in Deutschland schrittweise ausgebaut. Wer beim nächsten Hörgerätekauf ansteht, kann gezielt nach Auracast-Kompatibilität fragen, um von dieser Entwicklung zu profitieren.

Typische Probleme und Lösungen

  • Kopplung schlägt fehl: Bluetooth am Smartphone aus- und wieder einschalten, Hörgeräte neu starten, App-Update prüfen.
  • Verbindung bricht ab: Zu großer Abstand zwischen Smartphone und Hörgerät (meist max. 5–10 Meter), andere Bluetooth-Geräte in der Nähe stören.
  • Tonqualität schlecht: Bei älteren Android-Geräten kann der Streaming-Standard eingeschränkt sein – der Hörakustiker kennt Kompatibilitätslisten.
  • App stürzt ab: Auf aktuelle Betriebssystem- und App-Version prüfen, Smartphone neu starten.

Häufige Fragen

Funktioniert die Kopplung mit jedem Smartphone?

Nicht jedes Hörgerät ist mit jedem Smartphone kompatibel. Die meisten Hersteller veröffentlichen Kompatibilitätslisten auf ihrer Website. Der Hörakustiker kann vorab prüfen, ob Ihr Smartphone-Modell unterstützt wird.

Kostet die Hersteller-App etwas?

Nein, die Apps der Hörgerätehersteller sind in der Regel kostenlos und funktionieren nur in Verbindung mit den passenden Hörgeräten.

Muss ich für Fernsehton immer einen Zusatzsender kaufen?

Bei den meisten Hörgeräten ja, da eine direkte Bluetooth-Kopplung mit dem Fernseher oft zu Verzögerungen führt. Ein TV-Streamer löst dieses Problem und wird teils von der Krankenkasse bezuschusst.

Was ist, wenn ich kein Smartphone nutzen möchte?

Die App ist eine Zusatzfunktion, kein Muss. Hörgeräte lassen sich weiterhin über die Tasten am Gerät selbst oder eine separate Fernbedienung steuern.

Ist Auracast für alle Hörgeräte verfügbar?

Nein, nur neuere Modelle mit Bluetooth LE Audio unterstützen Auracast. Ältere Hörgeräte lassen sich in der Regel nicht per Software-Update nachrüsten.

Quellen

  • Bluetooth SIG – Informationen zu LE Audio und Auracast
  • Herstellerangaben Signia, Oticon, ReSound, Phonak, Widex zu App-Funktionen und Kompatibilität
  • Fachinformationen von Hörakustik-Innungen zu Bluetooth-Standards bei Hörgeräten

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