Das Badezimmer ist der Raum mit dem höchsten Sturzrisiko in der Wohnung – nasse Fliesen, enge Wege, das Aufstehen aus der Wanne. Genau hier fehlt aber in vielen Haushalten ein Notrufsystem, das im Ernstfall auch tatsächlich erreichbar ist. Dieser Ratgeber zeigt, wie ein Notruf im Bad richtig platziert wird, welche Höhe die DIN vorschreibt und worauf Sie bei der Technik achten sollten.
- Ein Notrufknopf im Bad muss auch vom Boden aus erreichbar sein – ein häufiger Fehler ist die reine Wandmontage in Stehhöhe.
- DIN 18040-2 empfiehlt eine Montagehöhe von 85 cm für Bedienelemente, ergänzt durch ein Zugseil bis knapp über den Boden.
- Wasserdichte Funk-Notrufsender (mind. Schutzklasse IP67) sind Pflicht, da sie Feuchtigkeit und Spritzwasser standhalten müssen.
- Ein klassischer Hausnotruf-Sender am Handgelenk oder als Kette ergänzt den festen Badnotruf sinnvoll.
- Der Umbau ist über die Pflegekasse als wohnumfeldverbessernde Maßnahme bezuschussbar (bis zu 4.180 € je Pflegebedürftigem).
Warum ein normaler Hausnotruf im Bad oft nicht ausreicht
Ein Hausnotruf-Sender am Handgelenk funktioniert nur, solange er getragen wird – und genau in der Dusche oder beim Baden legen ihn viele Menschen ab. Stürzt jemand dabei, fehlt im entscheidenden Moment der Zugriff auf den Alarmknopf. Ein zusätzlicher, fest installierter Notruf im Bad schließt diese Lücke. Mehr zu Kosten und Zuschuss klassischer Hausnotruf-Systeme lesen Sie in unserem Hausnotruf-Vergleich 2026.
Die richtige Montagehöhe nach DIN 18040-2
Die Norm DIN 18040-2 („Barrierefreies Bauen – Wohnungen“) gibt vor, dass Bedienelemente wie Lichtschalter, Steckdosen und eben auch Notrufschalter in einer Höhe von 85 cm über dem Fertigfußboden anzubringen sind. Diese Höhe ist sowohl im Stehen als auch im Sitzen – etwa vom Rollstuhl oder Duschhocker aus – gut erreichbar.
Entscheidend ist aber ein zweiter Punkt, der in der Praxis oft übersehen wird: Der Notruf muss auch auslösbar sein, wenn eine Person auf dem Boden liegt. Deshalb gehört zu einer normgerechten Lösung immer eines der folgenden Elemente:
- ein Zugseil, das vom Deckenbereich bis kurz über den Boden reicht und durch Ziehen an jeder Stelle ausgelöst werden kann
- oder zusätzliche Notrufknöpfe in Bodennähe, etwa neben Dusche und WC
Wo sollte der Notruf im Bad platziert werden?
| Bereich | Empfehlung |
|---|---|
| Dusche | Zugseil über die gesamte Duschlänge, Knopf zusätzlich auf 85 cm Höhe |
| Badewanne | Notrufknopf in Griffweite vom Sitzen und vom Wannenboden aus |
| WC | Knopf neben dem WC, erreichbar auch bei einem Sturz seitlich davon |
| Waschbecken | Optional, meist ausreichend über zentralen Bad-Notruf abgedeckt |
Welche Technik kommt infrage?
Für den Einsatz im Bad ist entscheidend, dass die Geräte feuchtigkeits- und spritzwassergeschützt sind. Gängige Lösungen:
- Funk-Notrufsender mit Zugseil: wasserdicht (mindestens IP67), wird an die Hausnotruf-Basisstation angebunden und löst dort automatisch den Notruf zur Servicezentrale oder zu Angehörigen aus.
- Wassergeschützter Armbandsender: kann auch beim Duschen oder Baden am Handgelenk getragen werden, ergänzt den festen Badnotruf.
- Kombination mit Sturzsensor: Manche Hausnotruf-Anbieter bieten Sender mit automatischer Sturzerkennung an, die auch ohne Knopfdruck Alarm auslösen, wenn ein Sturz erkannt wird.
Kosten und Förderung
Die Installation eines Notrufsystems im Bad – inklusive Zugseil, Montage und Anbindung an die Hausnotruf-Zentrale – kostet je nach Anbieter und Aufwand meist zwischen 100 und 400 Euro einmalig, hinzu kommt die monatliche Gebühr für den Hausnotruf-Dienst. Bei anerkanntem Pflegegrad übernimmt die Pflegekasse die monatlichen Kosten für den Hausnotruf anteilig, und der bauliche Umbau (Montage von Zugseil und festen Notrufknöpfen) kann als wohnumfeldverbessernde Maßnahme mit bis zu 4.180 Euro bezuschusst werden. Einen Überblick über weitere Maßnahmen und Kosten rund um den barrierefreien Badumbau gibt unser Ratgeber zum barrierefreien Bad.
Häufige Fragen
Reicht ein Armbandsender im Bad nicht aus?
Nicht zuverlässig, da viele Nutzer den Sender beim Duschen oder Baden ablegen. Ein fest installiertes Zugseil oder ein zusätzlicher Wandnotruf schließt diese Sicherheitslücke.
Welche Schutzklasse muss das Gerät im Bad haben?
Für den Einsatz in Dusche und Badewannenbereich wird mindestens Schutzklasse IP67 empfohlen, die Schutz gegen zeitweiliges Untertauchen und Spritzwasser bietet.
Wer übernimmt die Kosten für den Einbau?
Bei vorliegendem Pflegegrad kann der Umbau über die Pflegekasse als wohnumfeldverbessernde Maßnahme mit bis zu 4.180 Euro gefördert werden. Ohne Pflegegrad tragen Betroffene die Kosten meist selbst.
Kann ich das Zugseil selbst montieren?
Technisch möglich, empfehlenswert ist aber die Montage durch den Hausnotruf-Anbieter oder einen Fachbetrieb, damit die Höhe normgerecht ist und die Anbindung an die Notrufzentrale zuverlässig funktioniert.
Quellen
- DIN 18040-2 „Barrierefreies Bauen – Planungsgrundlagen – Wohnungen“
- Herstellerangaben zu Hausnotruf-Sendern und Schutzklassen (IP-Standards)
- Angaben der Pflegekassen zu wohnumfeldverbessernden Maßnahmen nach § 40 SGB XI